Die Erzgebirgsschanze Johanngeorgenstadt - Ein Betonkoloss zwischen Last und Chance
Talk - Transformation

Die Erzgebirgsschanze in Johanngeorgenstadt zeigt die große Diversität der aktuellen Denkmalpflege in Sachsen. Der Wert eines gesellschaftlichen Kulturgutes wird nicht mehr von der Wissenschaft bewertet, sondern von politischen Entscheidungsträgern eingeordnet. Es ist ein Betonkoloss auf dem Erzgebirgskamm, der so richtig in keine Schublade passt und dem die Zeit davon läuft. Ein aktueller Offener Brief von Fachleuten aus Denkmalpflege, Architektur und Baukultur fordert, die Anlage von 1962 als Baudenkmal in die Denkmalliste des Freistaates Sachsen aufzunehmen und ihren Erhalt mit einem neuen tragfähigen Nutzungskonzept zu verbinden. Doch auch wenn die Fachwelt den Wert des Bauwerkes unterstreicht, steht die Gemeinde als Eigentümer finanziell vor unlösbaren Aufgaben und fokussiert den Abriss.
Damit berührt die Debatte ein grundsätzliche Frage der sächsischen Denkmalpflege: Wie gehen wir mit unbequemen Baudenkmälern um, die zukünftig nicht mehr in ein politisches Bild passen? Bauwerke der Ostmoderne haben es in Sachsen schwer, umso komplexer wird die Denkmalfrage, wenn es sich um Bauten mit herausfordernden Nutzungsmöglichkeiten handelt und dazu noch mit ihrem betonierten Brutalismus das romantische Heimatbild total verfehlen. Welche Chancen stecken in einer verfallenen Skisprungschanze? Kann Sachsen auch mehr als Dresdner Barock? Die Erzgebrigsschanze im Spiegelbild der sächsischen Denkmalpflege.