Zwischen Macht und Mythos – Eine kritische Einordnung aktueller KI-Narrative
Talk - Künstlicher Intelligenz
Der Vortrag begibt sich auf eine Erkundung des sich im Zuge der Veröffentlichung von ChatGPT noch weiterentwickelnden Diskurses rund um künstliche Intelligenz (KI). Sie hinterfragt die allgegenwärtigen Erzählungen, die die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit KI prägen, und beleuchtet dabei zentrale Themen wie Handlungsfähigkeit und Entscheidungsfindung, Autonomie, Wahrhaftigkeit, Wissensverarbeitung, Vorhersage, Allzweckfähigkeit, Neutralität und Objektivität, unpolitische Optimierung, bahnbrechende Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit, Demokratisierung, Massenarbeitslosigkeit sowie die dualistische Darstellung von KI als Vorbote einer gesellschaftlichen Utopie oder Dystopie. Diese Narrative werden kritisch analysiert auf der Grundlage von Erkenntnissen aus der Informatik, kritischen Daten- und Algorithmusstudien, aus Datenschutztheorie sowie aus der Geistesphilosophie und der Semiotik. Um die dargestellten Narrative angemessen zu analysieren, geht der Vortrag zunächst auf die historische und technische Kontextualisierung des KI-Diskurses selbst ein. Anschließend wird der Begriff „Zeitgeist-KI“ eingeführt, um die ungenaue und irreführende Verwendung des Begriffs „KI“ in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zu kritisieren. Durch die differenzierte Diskussion gängiger Narrative kontextualisiert und hinterfragt der Vortrag häufig vorausgesetzte gesellschaftspolitische Implikationen von KI und deckt detailliert und anhand von Beispielen die inhärenten politischen, kolonialen und machtgeladenen Strukturen in KI-Anwendungen und -Infrastrukturen auf. Der Vortrag schließt mit einem Aufruf zu einem fundierteren Umgang mit KI, zeigt akute Probleme auf, die von den diskutierten Narrativen ignoriert werden, und schlägt neue Narrative vor, die KI als ein vom Menschen gesteuertes extraktives Werkzeug anerkennen, das notwendigerweise gesellschaftlicher Entscheidung unterliegt und klare Begrenzung verlangt.